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Grüne Flecken im Deckblatt

Dieses Thema im Forum "X-Faktor" wurde erstellt von Stumpenfürst, 29. Januar 2015.

  1. Stumpenfürst

    Stumpenfürst 1. Ritter und Verteidiger der Bauchbinde

    Immer wieder wird gefragt, wie die leicht grünlichen Flecken im Deckblatt entstehen und welche Auswirkungen diese Flecken auf den Genuss haben.
    Genauso häufig wird dann geantwortet "Fermentationsfehler"!
    Das ist falsch!
    Die grünen Flecken entstehen durch eine mangelhafte Trocknung der Blätter in den Trockenschuppen. Die Blätter hängen entweder zu dicht aneinander oder es wurde nicht lange genug getrocknet. Die grünen Flecken sind nichts anderes als Stellen im Blatt, wo das Chlorophyll nicht abgebaut wurde. Ähnlich wie die grünen Deckblätter bei manchen Ami-Cigarren, diesen grünen Deckblatt-Farbton nennt man "claro-claro" oder "clarissimo" die grünen Deckblätter nennt man "Candela"-Blätter. Überwiegend werden Connecticut shade Blätter zu Candela-Blättern verarbeitet, d.h. die Blätter werden ca. 14 Tage vor der eigentlichen Blattreife geerntet, aufgefädelt und in die Trockenschuppen gehangen. Aber anstatt jetzt 6 bis 8 Wochen zu trocknen, werden sie schnell getrocknet in dem man Gasbrenner in die Trockenschuppen stellt und die Temperatur dort hochfährt. Dadurch bleibt das Chlorophyll im Blatt erhalten und kann sich nicht in braunes Karotin verwandeln. Die so getrockneten Blättern sind extrem empfindlich und brechen schnell, sie haben ein eher grasig-heuiges Aroma im Vergleich zu den klassisch getrockneten Blättern. Candela-Blätter müssen bei Tabakbauern vorbestellt werden, da sie nicht auf dem freien Markt erhältlich sind.
    Soweit zum Candela-Tabak und nun zurück zu den grünlichen Stellen im Deckblatt, sie sind eher eine optische denn eine geschmackliche Beeinträchtigung sofern nur vereinzelte kleine Stellen auf dem Deckblatt sichtbar sind. Diese auf mangelnde Trocknung hinweisenden Stellen im Blatt, können auch durch die Fermentation nicht mehr behoben werden.

    In diesem Sinne
     
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  2. depee

    depee Well-Known Member

    Danke für die gute Erklärung.
     
  3. Habanos Fan

    Habanos Fan untätige Luschen

    Und wieder ein Märchen ad absurdum geführt. Super!

    Macht auch Sinn, woher soll denn bei der Fermentation etwas grünes auch herkommen? :confused:
     
  4. Picanha

    Picanha Cigarophül

    Super.
    Ich war bisher der Meinung, dass die Umwandlung des Chlorophyll schon eine Fermentation ist.

    Danke für die fachmännische! Erleuchtung
     
  5. nr.2

    nr.2 Mädchen für alles Mitarbeiter

    Hier bin ich richtig!
    Danke Uwe!
     
  6. Stumpenfürst

    Stumpenfürst 1. Ritter und Verteidiger der Bauchbinde

    Soooo, habe jetzt zu diesem Thema noch ein paar Bilder rausgesucht:

    Shade-Pflanzung mit Corojo Saat
    Bild 150.JPG
    Shade Pflanzung mit Connecticut Saat, die Pflanzen sind mit Schnüren gegen Abknicken gesichert, da sie eine Höhe von ca. 2,50 Meter erreichen werden.
    Connecticut Shade an Fäden.jpg
    Auffädeln der Blätter
    Auffädeln3.jpg
    Aufgefädelte Blätter im Trockenschuppen, diese Aufnahme zeigt jedoch keine "Candela"-Blätter, da die konventionelle Trocknung der Blätter (Braunfärbung) bereits sichtbar ist.
    Trockenschuppen3.jpg
    Gasbrenner im Trockenschuppen für "Candela"-Blätter
    Candelatrocknung12.JPG
    Sortierung "Candela"-Blätter
    Sortieren5 klein.JPG
     
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  7. flordeselva

    flordeselva Möchtegern

    Vielen Dank für diese interessanten Infos!
    Ist diese Shade-Pflanzung weit verbreitet, oder gibt es auch Anbauregionen, wo der Tabak unter freiem Himmel wächst?
     
  8. Toten Opa

    Toten Opa Zmoke Hofrat

    Das war mal wieder eine fundierte Erklärung! Danke!
     
  9. Steppenwolf

    Steppenwolf Kaffeesieder

    Was mir aufgefallen ist dass frische Zigarren, normalerweise, diese grünen Flecken nicht zeigen.
    Nach ein paar Wochen im 70% Humidor sieht man die Flecken danno_O

    Besser fällt das auf bei kubanischen Billigheimern wie JLP. Werde am WE mal schauen ob ich noch so ein derbes Teil habe,
    das Teil hatte grün braun als Deckblattfarbe.
     
  10. Picanha

    Picanha Cigarophül

    Hab neulich grüne Blattstellen an einer Behike gesehen.
    Das finde ich ja schon unverschämt, bei dem Preis nicht 200% perfekte Deckblätter auszuwählen.
     
  11. Steppenwolf

    Steppenwolf Kaffeesieder

    Die waren von Anfang an zu sehen, mich wundert nur dass die bei einigen Meiner Stumpen erst zu sehen waren als ich sie von der Langzeitlagerkiste
    in den feuchteren Tageshumidor siedelte
     
  12. Stumpenfürst

    Stumpenfürst 1. Ritter und Verteidiger der Bauchbinde

    Zweimal lautet die Antwort ja.
    Die Anbaumethode richtet sich vorwiegend nach dem späteren Verwendungszeck des Tabaks aus, also nach der Frage, soll der Tabak später als Deck-, Umblatt- oder Einlagetabak verwendet werden.

    "Shade grown" ist eine Methode des Tabakanbaus, die überwiegend für Deckblätter aber auch für Umblätter eingesetzt wird. Die Stoffabdeckungen über den Tabakfeldern simulieren einen wolkenverhangenen Himmel, die Tabakblätter bleiben durch die geringere Sonneneinstrahlung dünner und geschmeidiger, die Farbe ist sehr hell. Sehr häufig angewendet bei der Tabaksorte "Connecticut" aber auch bei sogenannten "cuban seeds" wie Criollo, Corojo und Piloto Cubano, sowie einigen Sumatra-Sorten. Sie weisen nur dünne Blattadern auf, sind eher mild und von nur leichtem Aroma. "Shade grown" Tabakpflanzen können eine Höhe von bis zu 4 Metern!!! erreichen. Typische "shade grown" Deckblätter findet man z.B. auf den hellen Macanudos, den Davidoff-Serien "Classic", "Grand Cru" und "Anniversario", bei Santa Damiana u.v.a. hellen Cigarren.
    "Sun grown" Tabake wachsen unter dem freien Himmel, erhalten viel Sonnenlicht, sind "fleischiger" also dicker, besitzen ausgeprägte Blattadern, sind kräftig und verfügen über viel Aroma. Diese Anbaumethode wird für Einlage- und Umblatt-Tabake angewendet, allerdings auch für Deckblätter mittelkräftiger bis kräftiger Cigarrenserien, z.B. "AURORA LINEA 1495", "LEÓN JIMENES DOBLE MADURO", "Brick House MADURO" etc. Alles Cigarrenserien mit braunen bis dunkelbraunen Deckblättern. Diese Deckblätter sind etwas grober in der Struktur und die Blattadern sind häufig gut sicht- und fühlbar, sie brennen etwas langsamer, besitzen jedoch einen kräftigeren Geschmack und ein intensiveres Aroma. Diese Pflanzen erreichen eine Höhe von 1,50 bis 2,00 Metern. Typische "sun grown" Tabake sind Brasil, Connecticut Broadleaf, Olor, bestimmte Sumatra-Saaten und Mexiko-Sorten, sowie alle "cuban seeds".

    In diesem Sinne...
     
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